Komplikationen: Infektion

Eine Infektion entsteht durch das Eindringen von Mikroorganismen in den Körper und wird durch Schmerz, Schwellung, Rötung oder Hitze charakterisiert. Sie kann lokal bleiben, sich also nicht im Körper ausbreiten und schnell überwunden werden, wenn die Schutzmechanismen des Körpers effektiv arbeiten. Lokale Infektionen können jedoch manchmal persistieren, sich ausbreiten und akut oder sogar chronisch werden.

ATEMWEGSINFEKTE


Aus den im Kapitel Befeuchtung dieses Pflegeratgebers ausführlich geschilderten Gründen erhöht eine Tracheotomie das Risiko von Atemwegsinfekten und schafft einen für bakterielles Wachstum förderlichen Lebensraum in und um das Stoma. Sekretreste in der Trachealkanüle oder Luftröhre sowie Schleimhautverletzungen in den unteren Atemwegen, die durch zu tiefes Absaugen entstehen können, können diese Gefahr noch zusätzlich verstärken. Auch ist es möglich, dass Bakterien trotz sorgfältigster Pflege während des Kanülenwechsels, der Stomapflege oder des Absaugens durch unsterile Hilfsmittel in den Atemweg gelangen. Es ist also damit zu rechnen, dass ein tracheotomiertes Kind bei vergleichbaren Voraussetzungen häufiger unter Atemwegsinfektionen zu leiden hat als ein Kind ohne Trachealkanüle.

Um einen Atemwegsinfekt so früh wie möglich zu bemerken, müssen Sie auf ein etwaiges Auftreten typischer Symptome achten, darunter Fieber, auffällige Veränderungen im Zustand des Trachealsekrets, verstärkte Lungengeräusche und eine Steigerung der Atemtätigkeit. Bei jedem Absaugvorgang sollte das Sekret daher kritisch untersucht werden, im Idealfall ist es weißlich und durchsichtig, relativ dünnflüssig und geruchlos. Sollte das Sekret jedoch grünlich oder gelblich, dickflüssiger oder mehr geworden sein, oder einen auffälligen Geruch aufweisen, könnte bei Ihrem Kind ein Infekt vorliegen. Wenn das Sekret eine rötliche Färbung aufweist, ist das oft ein Hinweis auf Verletzungen der Schleimhäute in den unteren Atemwegen, die unter Anderem auch durch starkes Husten im Rahmen eines Atemwegsinfekts entstehen können.

 

Die Vermeidung von Infekten ist schon im Normalfall schwierig, insbesondere bei Kindern. Da ein Kind mit einer Tracheostomie jedoch ein erhöhtes Infektionsrisiko hat, müssen Sie extreme Vorsicht walten lassen, wenn Ihr Kind in Kontakt mit Menschen kommt, die einen akuten oder ansteckenden Infekt haben. Aus dem gleichen Grund ist es wichtig, dass Sie Ihre Hände gründlich reinigen oder desinfizieren, bevor sie mit dem Stomabereich Ihres Kindes in Kontakt kommen oder ein Hilfsmittel, wie z.B. einen Absaugkatheter, berühren. Eine vorsichtige und sterile Absaugtechnik kann die Gefahr von Schleimhautverletzungen vermindern und das Eindringen von Bakterien in die Luftröhre erschweren. Eine künstliche Nase schafft eine angemessene Luftfeuchtigkeit in den Atemwegen, schont die Schleimhäute und filtert die Atemluft, wodurch das Infektionsrisiko gesenkt werden kann.

 

Ein Atemwegsinfekt muss in jedem Fall von Ihrem Kinderarzt behandelt werden, der die richtigen Medikamente, beispielsweise Antibiotika, verschreibt. Bei Kindern, denen häufige Atemwegsinfekte starke Beschwerden bereiten, kann es ratsam sein, nach Absprache mit dem Arzt eine vorsorgliche Grippeimpfung vorzunehmen. Häufig wird der Arzt auch anordnen, dass Ihr Kind mit Kochsalzlösung oder speziellen Medikamenten inhaliert. Diese Medikamente sind entweder in flüssiger Form zur Verwendung mit einem Vernebler oder als Aerosol erhältlich. Das Aerosol kann mit einem speziellen Adapter an einem Ambu-Beutel befestigt werden [ Abb. 14 ], wobei das Medikament durch leichte Stöße aus dem Ambu-Beutel direkt in die Lunge transportiert werden kann.

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Abb.1: Adapter zur Verabreichung von Medikamenten mit einem Ambu-Beutel

ENTZÜNDUNGEN IM STOMABEREICH

 

Das dauerhaft feuchtwarme Klima in Stoma und Stomabereich eines tracheotomierten Kindes bewirkt nicht nur eine erhöhte Neigung zu Atemwegsinfekten, sondern setzt auch das Stoma selbst einer hohen Entzündungsgefahr aus. Insbesondere bei einem frischen, noch nicht vollständig stabilisierten Stoma kann eine Entzündung im Stomabereich für Ihr Kind äußerst unangenehm sein und sich durch die Reibung der Trachealkanüle einer schnellen Heilung entziehen. Die angemessenen Maßnahmen zur Vorbeugung sowie zu Schutz und Pflege [ Abb. 15 ] eines entzündeten Stomas sind im Kapitel Stomapflege dieses Pflegeratgebers detailliert aufgeführt. Wie bei allen Infektionen obliegt es auch hierbei Ihrem Arzt, die korrekte Behandlung und die passenden Medikamente zu verordnen. Denken Sie daran, niemals Cremes oder Salben im Stomabereich aufzutragen, es sei denn, der Arzt hat ihre Verwendung an dieser Stelle explizit angeordnet.

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Abb.2: Eine verunreinigte Tracheostomiekompresse erhöht das Infektionsrisiko