Sondennahrung

Sondennahrung ist eine speziell gefertigte Flüssignahrung, die nach den strikten Empfehlungen und Richtlinien der DGE (Deutsche Gesellschaft für Ernährung) zusammengestellt wird, und entweder direkt in den Magen oder in den Dünndarm sondiert werden kann. Sie kann ohne Probleme durch die Sonde fließen und enthält alle notwendigen Vitamine, Mineralstoffe, Ballaststoffe und Kalorien, die Ihr Kind braucht.

 

Die Sondennahrung ist in ihrer Zusammensetzung darauf abgestimmt, den Bedarf an lebenswichtigen Nährstoffen, die Kinder in verschiedenen Wachstums- und Entwicklungsphasen benötigen, komplett abzudecken. Sie kann als ausschließliche Nahrung für Kinder, die überhaupt nicht selbst es-sen können, oder als Ergänzungsnahrung für Kinder, die teilweise selbst essen können, zum Einsatz kommen.

 

Eine Sonde soll nicht eine »normale« Ernährung über den Mund des Kindes verhindern, sofern diese möglich ist. Es soll aber eine ausreichende und im zeitlichen Rah-men vertretbare Ernährung sichergestellt werden. Den Großteil der Nährstoffe bekommt das Kind somit in Form von Sondennahrung über die Sonde. Darüber hinaus isst und trinkt das Kind die Menge selbst, zu der es eben in der Lage ist. So kann das Kind weiterhin an den Mahlzeiten mit der Familie teilnehmen und die Mundmuskulatur benutzen und entwickeln.

 

In jedem Fall werden der behandelnde Arzt und der Ernährungsberater Ihres Kindes zusammen mit Ihnen einen ausführlichen Ernährungsplan zusammenstellen, der die individuellen Bedürfnisse Ihres Kindes abdeckt. 

Arten von Sondennahrung

Es gibt eine große Anzahl von verschiedenen Sondenkostarten, die sich als definierte, standardisierte und kontrollierte Diäten an der Diätverordnung der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) orientieren müssen. Die Nahrung wird in zwei Hauptgruppen unterteilt: 

  • STANDARDDIÄTEN

In enteralen Standarddiäten sind die lebenswichtigen Nährstoffe wie Kohlenhydrate, Eiweiße, Fette usw. vorhanden. Diese Art von Sondennahrung ist sowohl mit als auch ohne Ballaststoffe erhältlich. Der Energiegehalt, gemessen in Kalorien pro ml (kcal/ml), ist bei der Auswahl der passenden Nahrung ein wichtiges Kriterium, da man die Wahl zwischen drei unterschiedlichen Kaloriendichten hat: Hypokalorisch (0,75 kcal/ml), isokalorisch (1 kcal/ml) und hochkalorisch (1,2 - 2 kcal/ml).

 

Standarddiäten setzen voraus, dass der Patient uneingeschränkte Stoffwechsel- und Verdauungskapazitäten hat. In den meisten Fällen bekommen Kinder eine Standarddiät, die speziell auf die Bedürfnisse Heranwachsender abgestimmt ist.

 

Diese Art von kindgerechter Sondennah rung wird in Deutschland von mehreren Firmen hergestellt und vertrieben, z.B. von Hipp, Abbot, Nestlé, Fresenius, B. Braun, Novartis und Pfrimmer-Nutricia. Bei den meisten dieser Hersteller gibt es die Wahl zwischen hypo-, iso- und hochkalorischer, sowie zwischen ballaststoffreicher und -freier Sondennahrung. 

  • SPEZIALDIÄTEN​


Nährstoffmodifizierte Spezialdiäten sind besondere Formen von Sondennahrung, die im Vergleich zu den Standardnahrungen abweichende Mengen an Eiweiß, Fett und Kohlenhydraten enthalten, und somit bei bestimmten Krankheitsbildern wie z.B. Stoffwechselerkrankungen und den damit einhergehenden speziellen Bedürfnissen des Kindes eingesetzt werden.

 

Spezialnahrung gibt es auch für Kinder deren Verdauungsleistung eingeschränkt ist. In dieser Art von Sondennahrung sind die Nährstoffe vorverdaut, sodass sie leichter vom Körper aufgenommen werden können. Diese Spezialdiäten enthalten in der Regel keine Ballaststoffe und haben meist eine Kaloriendichte von 1 kcal/ml. Genau wie bei den Standarddiäten ist es auch bei Spezialdiäten wichtig, eine für Kinder geeignete Sondennahrung zu wählen. Machen Sie sich aber keine Sorgen: Hierfür ist der behandelnde Arzt zuständig. 

Bezugsquellen

Die Sondennahrung wird im Allgemeinen vom Arzt auf Rezept verordnet, direkt bei den Herstellern bestellt und zu Ihnen nach Hause geliefert. Es ist auch möglich, die Nahrung über Apotheken oder Sanitätshäuser zu beziehen. Enterale Produkte sind in der Regel auch ohne Rezept erhältlich, die Kosten werden dann allerdings kaum von der Krankenkasse übernommen. Es ist daher unbedingt ratsam, vorab genaue Informationen von der Krankenkasse einzuholen, um unangenehme Überraschungen zu vermeiden.

Unverträglichkeit

Insbesondere während der Anfangsphase einer enteralen Ernährung kann es bei einem Kind relativ leicht zu Übelkeit oder Unwohlsein kommen. Die genaue Ursache für die Unverträglichkeit zu finden und zu beseitigen ist mitunter nicht einfach, da eine Vielzahl von Faktoren Einfluss ausüben können.

 

Wenn Ihr Kind die Sondennahrung schlecht verträgt oder häufig erbricht, kann das zunächst einmal daran liegen, dass die Nahrung zu kalt, zu schnell oder in für Ihr Kind unbekömmlichen Mengen verabreicht wurde. Es empfiehlt sich also, die Nahrung vor dem Sondieren stets im Wasserbad auf etwa Zimmertemperatur zu erwärmen, die Mahlzeiten langsamer zu applizieren sowie die einzelnen Gaben in der Menge zu reduzieren und dafür die Frequenz der Gaben zu erhöhen. Falls Ihr Kind seine Mahlzeiten mit einer Ernährungspumpe verabreicht bekommt, können Sie versuchen, die Durchflussrate zu reduzieren.

 

Auch verdorbene oder anderweitig kontaminierte Sondennahrung kann zu Unverträglichkeiten führen. Daher müssen Sie unbedingt darauf achten, dass sie die Packungen mit Sondennahrung nach dem Öffnen nur im Kühlschrank aufbewahren und innerhalb von 24 Stunden aufbrauchen. Falls Ihr Kind die Nahrung mit einer Pumpe aus einem Beutel verabreicht bekommt, hält sich die Sondennahrung im Beutel so-gar nur 12 Stunden. Ein weiterer Grund für Unwohlsein kann eine fehlende oder mangelnde Magenentleerung sein.

 

In manchen Fällen kann ein Wechsel zu einem alternativen Sondennahrungstyp mit einer anderen Nährstoffzusammensetzung hilfreich sein.

 

Falls Sie also feststellen, dass Ihr Kind die Sondennahrung aus irgendeinem Grund nicht (mehr) gut verträgt, sollten Sie unbedingt Ihren Arzt und einen Ernährungsberater konsultieren, um dieses für Ihr Kind sehr unangenehme Problem möglichst bald zu beheben. 

Nahrung selbst kochen?

Viele Eltern von Kindern, die enteral ernährt werden müssen, haben verständlicherweise den Wunsch, ihrem Kind Selbstgekochtes zu sondieren. Aus mehreren Gründen ist selbst gemachte Sondennahrung in den meisten Fällen keine wirklich empfehlenswerte Alternative:

 

  1. Bei selbst gekochtem Essen ist es recht schwierig, die richtige Balance zwischen Nährwert und Konsistenz zu erreichen. Das Essen muss häufig extrem verdünnt werden, damit es durch die Sonde gegeben werden kann. Dadurch können große verwässerte Portionen entstehen, die unter Umständen schwer verträglich sind und den Kalorienbedarf des Kindes nicht abdecken.

  2. Bei der Vorbereitung von selbst gekochter Sondenkost muss besonders auf die Hygiene geachtet werden. Durch bakterielle Kontamination können gastrointestinale Infektionen hervorgerufen werden.

  3. Hinzu kommt noch die Tatsache, dass die Ernährungssonde durch ungeeignete Nahrung, insbesondere bei Kindern und bedingt durch den kleineren Durchmesser der Sonde, sehr leicht verstopfen kann. Im schlimmsten Fall könnte das bedeuten, dass die Sonde ersetzt werden muss, was, je nach Art der Sonde, ggf. auch einen ambulanten oder operativen Eingriff mit stationärem Aufenthalt in der Klinik zur Folge haben könnte. 

Abb. 1: Sondennahrung kann in einen speziellen Beutel umgefüllt und mit einer Nahrungspumpe sondiert werden