Nahrungsgabe

Sondennahrung kann auf zwei verschiedenen Wegen verabreicht werden. Wir unterscheiden zwischen kontinuierlichen und intermittierenden Gaben (Bolusgaben).

Kontinuierliche Nahrungsgabe

Bei der kontinuierlichen Nahrungsgabe wird die Sondennahrung Ihres Kindes mit Hilfe einer Ernährungspumpe ohne Unterbrechung über einen festgelegten Zeitraum und mit einer im Vorfeld von Ihrem Arzt festgelegten Fließgeschwindigkeit dem Kind zugeführt (z.B. 12 Stunden-Ernährung mit 20 ml pro Stunde). Eine kontinuierliche Nahrungsgabe ist immer dann notwendig, wenn die Spitze der Sonde Ihres Kindes im Dünndarm liegt. Es kommt aber durchaus auch vor, dass Kinder mit einer Sonde in gastraler Lage einen Teil ihrer benötigten Nahrungsmenge in 4 bis 6 Bolusgaben am Tag und den Rest über Nacht unter Zuhilfenahme einer Pumpe kontinuierlich verab reicht bekommen. 

Intermittierende Nahrungsgabe (Bolusgaben)

Eine intermittierende Nahrungsgabe ist nur bei gastraler Son-denlage möglich und bedeutet, dass die Nahrung Ihres Kindes in vier bis sechs einzelnen »Mahlzeiten«, den sogenannten Bolusgaben, über den Tag verteilt sondiert wird. Hierbei wird z.B. alle drei Stunden 250 ml Nahrung mit einer 60ml Spritze, per Schwerkraft oder mittels einer Nahrungspumpe zu sondieren sondiert (siehe Abb. 8-1).

 

Bei dieser Art der Nahrungsgabe ist es aus physiologischen Gründen wichtig, bei der Sondierung der Mahlzeit eine Zeitspanne einzuhalten, die in etwa der Zeit der normalen oralen Nahrungsaufnahme entspricht. Dies sind bei größeren Kindern ca. 20 Minuten für eine Portion von 200 ml, bei Säuglingen sind es 30 Minuten für eine Portion von 100ml.

Bolusgaben: Vorteile

Aus folgenden Gründen kann es für das Kind von Vorteil sein, diese Art der Nah rungsgabe zu wählen:

  • Die Sekretion von Verdauungssäften erfolgt wie bei der natürlichen Nahrungsaufnahme.

  • Durch den Dehnungsreiz im Magen werden die nervalen, hormonellen und enzymatischen Regulationsmechanismen aufrechterhalten.

  • Es wird eine normale Mahlzeitenfolge imitiert. Subjektiv kann dadurch das Wohlbefinden des Kindes gesteigert werden. 

Bolusgabe: Ablauf

Überzeugen Sie sich, dass alle benötigten Hilfsmittel bereit liegen: Die richtige Menge Sondennahrung für die anstehende »Mahlzeit«, eine 50ml Spritze, ggf. Bolusadapter, Desinfektionsmittel und Wasser zum Spülen der Sonde. Der Oberkörper Ihres Kindes sollte hoch gelagert werden.

1. Desinfizieren Sie Ihre Hände.

 

2. Bei Nasensonden: Überprüfen Sie die Sondenlage, um zu verhindern, dass Nahrung versehentlich in die Luftröhre sondiert wird.

 

3. Ziehen Sie 20ml Wasser in die Spritze auf und spülen Sie damit die Sonde, um die Durchgängigkeit zu prüfen.

 

4. Schließen Sie die Klemme (Abb. 8-3) am Schlauch der Sonde.

 

5. Ziehen Sie 20ml Wasser in die Spritze auf und spülen Sie damit die Sonde, um die Durchgängigkeit zu prüfen (siehe Abb. 8-2).

 

6. Setzen Sie die Spritze auf die Sonde und drehen Sie sie fest.

 

7. Öffnen Sie die Klemme und spülen Sie die Sonde langsam mit der Flüssigkeit. Schließen Sie anschließend die Klemme erneut und entfernen Sie die Spritze vom Sondenkonnektor.

8. Ziehen Sie jetzt die Sondennahrung in die Spritze auf (siehe Abb. 8-5).

 

9. Stecken Sie die Spritze in den Sondenkonnektor und drehen Sie sie fest.

 

10. Öffnen Sie die Klemme und verabreichen Sie die Nahrung langsam mit leichtem Druck auf den Kolben der Spritze (siehe Abb. 8-6).

 

11. Wiederholen Sie den letzten Schritt bis die vorgesehene Nahrungsmenge komplett verabreicht ist.
 

12. Spülen Sie die Sonde mit 20ml abgekochtem lauwarmem Wasser, nachdem die »Mahlzeit« abgeschlossen ist um einem Verstopfen der Sonde vorzubeugen.

 

13. Schließen Sie den Sondenkonnektor und lassen Sie am Schluss die Schlauchklemme in der geöffneten Position. So bleibt der Sondenschlauch länger erhalten. 


WICHTIGER HINWEIS

Bei Bedarf können Sie auch alle 25ml eine kurze Pause einlegen. Es gibt keine feste Regel dafür wie schnell Sie sondie ren sollten. Es hängt einzig und allein davon ab, wie gut Ihr Kind die Nahrungs menge verträgt. Hieraus ergibt sich die Geschwindigkeit, mit der Sie sondieren können. 

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Abb. 1: Bolusgabe-Variante: Die Nahrung läuft über die Schwerkraft durch die Sonde in den Bauch des Kindes

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Abb.2

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Abb.3

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Abb.4

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Abb.5

Abb. 2: Spülen Sie die Sonde mit Wasser - Abb.3: Schließen Sie die Klemme - Abb.4: Öffnen Sie den Sondenkonnektor - Abb.5: Ziehen Sie die Sondennahrung in die Spritze auf

Ernährungspumpen

Eine Ernährungspumpe ist ein elektrisch betriebenes Dosiergerät, das kontinuierliche, enterale Ernährung erlaubt, wenn Bolusgaben oder portionsweise Sondenernährung durch ein Schwerkraftsystem bei Ihrem Kind nicht möglich sind. Die Geschwindigkeit, mit der eine bestimmte Menge Sondennahrung befördert werden soll, kann je nach Bedarf eingestellt werden. Der Arzt oder Ernährungsberater Ihres Kindes wird Ihnen dabei helfen, die ideale Menge und Geschwindigkeit zu bestimmen. Eine Ernährung mit einer Ernährungspumpe kann mit allen Ernährungssonden erfolgen.

 

Der Einsatz einer solchen Pumpe ist dann angezeigt, wenn eine enterale Ernährung kontinuierlich erfolgen soll, zum Beispiel bei einem Patienten, dessen Ernährungssonde durch die Nase oder die Bauchdecke direkt in den Dünndarm führt (nasointestinale bzw. nasojejunale Sonde, Perkutane endoskopische Jejunostomie). 

BEDIENUNG DER ERNÄHRUNGSPUMPE

Eine Ernährungspumpe funktioniert ähnlich wie bei einem Infusionssystem nach dem Prinzip einer Schlauchpumpe. Der Sondennahrungsbehälter und die Ernährungssonde werden über ein Schlauchsystem miteinander verbunden. Der transparente Schlauch setzt dabei an einer Tropfkammer an, die je nach Behältnis und Zusammensetzung der Nahrung an einen Flaschenansatz geschraubt oder in einen Nahrungsbehälter gesteckt wird. 

Die Tropfkammer wird nun durch mehrmaliges Zusammendrücken zur Hälfte gefüllt. Anschließend wird die Klemme am Schlauch geöffnet, bis dieser ganz mit Sondennahrung gefüllt ist. Dann wird der Nahrungsfluss durch verschließen der Klammer wieder gestoppt. Ein für Ihre Pumpe spezielles, im Schlauch integriertes Zwischenstück wird nun in die Pumpe eingelegt. Das freie Ende des Schlauches wird an die ebenfalls mit einer Klemme verschlossene Ernährungssonde angeschlossen.

Dann wird die elektrische Ernährungspumpe eingeschaltet und die jeweilige Förderrate eingestellt. Nachdem Sie alle Klemmverschlüsse geöffnet haben, können Sie das gewählte Programm starten. Wenn der Sondennahrungsbehälter leer ist oder durch einen Knick im Schlauch die Nahrung nicht richtig fließen kann, ertönt ein Alarm im Gerät.

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Abb. 6: Verabreichen Sie die Nahrung mit leichtem Druck auf den Kolben der Spritze

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Abb. 7: Ein Junge bekommt seine Nahrung mit Hilfe einer Ernährungspumpe

VOR- UND NACHTEILE EINER PUMPE​

 

Ein großer Vorteil bei der Verwendung einer Ernährungspumpe ist die gesteigerte Bewegungsfreiheit Ihres Kindes. Anders als bei der Nahrungsgabe über ein Schwerkraftsystem, das meistens an einen Tropf gebunden ist, ist ihr Kind mit einer elektrischen Pumpe relativ mobil. Sowohl das Gerät selbst als auch die Schläuche und Nahrungsbehälter können in einem speziellen Rucksack mitgeführt werden.

 

Der Nachteil von elektrischen Ernährungspumpen ist, dass ihre Fördergenauigkeit oft nicht so hoch ist, als wenn Sie selbst Ihrem Kind Sondennahrung verabreichen. Auch Alarmgrößen und deren Toleranz sind bei manchen Ernährungspumpen nicht so präzise wie bei Infusionspumpen.

 

Zur Sicherheit sollten Sie bei der Nahrungsgabe regelmäßig überprüfen, ob die Pumpe korrekt arbeitet, um ein etwaiges Auslaufen oder eine Überförderung der Sondennahrung zu vermeiden.

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Abb. 6: Verabreichen Sie die Nahrung mit leichtem Druck auf den Kolben der Spritze